Sexuelle Bedürfnisse

Finde heraus, was Dich wirklich anmacht!

Lustvoll räkelt sie sich auf dem Bett. Ihr rot-schwarzes Negligee verdeckt knapp die Haut ihrer verführerischen Kurven. Das gedimmte Licht fällt auf ihre braunen Locken und der Duft von Rosen liegt betörend in der Luft, als er die gemeinsame Wohnung betritt. "Willkommen, mein Schöner", raunt sie. "Mach’s dir bequem, wenn ich dich verwöhne."
So sieht die Realität in den meisten deutschen Schlafzimmern nicht aus.
Meistens findet der Sex im Alltag wenig Raum. Die Standardkür ist wohl erprobt und das Knistern schon lang verschwunden.
Einen Standard zu haben, ist durchaus gut. Denn dadurch sparen wir Zeit oder brauchen nicht jedes Mal das Rad von Neuem erfinden. Doch in Langzeitbeziehungen bedeutet der Standard auf Dauer das Aus der Leidenschaft.
Natürlich setzt jedes Paar andere Prioritäten, wenn es um die Gewichtung von Werten geht. Manchen Paaren ist Sex einfach wenig wichtig. Doch in vielen Fällen rutscht Sex auf der Prio-Liste nach hinten, weil die Bettakrobatik nur noch ein Abspulen des mehr oder weniger gut funktionierenden gemeinsamen Nenners ist.

Ignorierte Bedürfnisse

Häufig loten Paare in der Anfangsphase aus, wo dieser gemeinsame Nenner ist. Und selbst wenn es andere Gemeinsamkeiten geben könnte, die über das, was später Standard wird, hinausgehen, vergessen die Partner oft ihre individuellen sexuellen Bedürfnisse, stellen sie hinten an oder leben sie anderweitig aus.
Manchen Menschen ist es auch unangenehm oder peinlich, anfangs zuzugeben, auf welche Art von Berührung sie stehen oder welche Spielarten sie mögen. Manchen Frauen ist es peinlich, wenn sie lustvoll stöhnen. Manchen Männern ist es peinlich, dass sie gerne gestreichelt werden wollen.
Die Liste der Vorlieben, die Menschen peinlich sein können, ist scheinbar endlos. Dabei entwickelt sich beim Sex erst dann eine richtig schöne und beglückende Dynamik, wenn das, was im Augenblick vom Körper oder dem Gefühl verlangt wird, ausgelebt wird.
Das kann sich so äußern, dass eine Frau ihrem Partner sagt, dass er sie heute bitte sanft stimuliert – mit Küssen, mit Streicheleinheiten am ganzen Körper und mit sanftem Saugen an ihren Lieblingsstellen. Das kann sich aber auch so äußern, dass er sich ihr hingeben möchte und passiv sein will.
Oder man gesteht, dass man das Streicheln auf dem Bauch ätzend, aber das Kratzen der Waden heute echt geil findet.
Jeder Mensch liebt beim Sex andere Dinge. Ob es das Spiel mit der Feder ist oder mit der Peitsche, kann nur derjenige herausfinden, der es ausprobiert.

Was sind Deine sexuellen Bedürfnisse? Finde es heraus und steh dazu! Bildquelle: Espressolio (Pixabay)

Wenn Du weißt, was Dich anmacht, stehe dazu
Allzu häufig stehen Sexualpartner vor ratlosen Gesichtern, wenn sie fragen, was der andere jetzt gerade geil findet.
Manchmal steckt hinter diesem Schulterzucken oder dem "Weiß nicht" die Angst, dass der andere das aktuelle sexuelle Bedürfnis abstoßend oder lächerlich findet. Frauen haben oft Angst, ihrem Partner nicht zu gefallen, wenn sie ihre sexuellen Wünsche äußern.
Dennoch gilt es dann, über den eigenen Schatten zu springen, Mut zu fassen und frei von der Leber weg zu sagen, was man jetzt gerade will. Schließlich will die fragende Person wissen, was sie für Dich tun kann, damit Du mehr Spaß hast. Sonst hätte sie nicht gefragt. Also tu ihr den Gefallen und sage oder zeige es.
Wenn Du weißt, was Dich heiß macht, darfst Du dazu stehen! Andernfalls bekommst Du selten das, was Dich wirklich befriedigt!

Wenn Du nicht weißt, was Dich anmacht, finde es heraus

Doch was ist, wenn Du nicht weißt, welche sexuellen Bedürfnisse Du hast?
Dann lohnt es sich herauszufinden, was Du brauchst, um Spaß am Sex zu haben, um Lust auf Sex zu haben. Und vor allem, um zu wissen, was Dich am Ende dazu bringt zu sagen: "Ja, das war toll!"

Ein Beispiel aus der Praxis. Ich hatte eine Kundin, die mit Mitte 50 anfing herauszufinden, was sie sexuell braucht, um zufrieden und glücklich zu sein. Bis zu jenem Zeitpunkt war sie der festen Überzeugung, dass sie im Bett nur die regelmäßigen Orgasmen vermisste. Deshalb unterstützte ich sie dabei, dass sie ihre Orgasmusfähigkeit ausbaute. Das gefiel ihr sehr. Doch nach ein paar Monaten kam sie wieder und meinte, dass sie zwar jetzt viel häufiger Orgasmen mit ihrem Partner erlebte, doch sie fühlte sich nicht wirklich zufrieden.
Deshalb fingen wir an, ihre Fantasien und ihre tollsten Vorstellungen von einer absolut perfekten Liebesnacht zu untersuchen. Sie durfte schwärmen und alles erzählen - ich hörte zu und beobachtete, wann ihre Körpersprache eindeutig "Ja" sagte.
Diese Punkte nannte ich ihr und bat sie, für sich zu Hause alles auszuprobieren, was sie genannt hatte. Sie beschloss, das zunächst alleine für sich zu tun und erst dann ihren Partner einzubeziehen. Es stellte sich heraus, dass sie die Orgasmen zwar sehr schätzte. Doch was für sie zu einer wirklich beglückenden Liebesnacht dazugehörte, war, dass sich ihr Partner Zeit für ihren Körper nahm.
Sie wollte gestreichelt, geküsst und geleckt werden. Sie wollte ihm in die Augen sehen, wenn er in sie eindrang, und sie wollte das Gefühl haben, dass er in diesem Augenblick nur an sie dachte (und nicht an die Arbeit). Und sie stand drauf, wenn das Zimmer nach Vanille roch. Ja. Das war ein wichtiges, sinnliches Detail.

Bedürfnisse und ihre Bedeutung
Das Beispiel zeigt sehr schön, dass es für eine beglückende Sexualität manchmal mehr braucht als nur einen Orgasmus. Denn Sex ist nicht nur körperlicher Natur, sondern befriedigt auch emotionale Bedürfnisse.
Wenn sowohl die körperlichen als auch die emotionalen Bedürfnisse gestillt werden, bleibt Lust am Sex häufig länger erhalten und wird nicht so schnell langweilig.
Bedürfnisse können sich über die Zeit hinweg auch verändern, wie sich so ziemlich alles im Leben über die Jahre hinweg verändert. Deswegen ist es schön, immer wieder neue Dinge auszuprobieren. Dabei muss es nicht immer um die ganz großen Veränderungen gehen. Auch kleine Veränderungen können das Sexleben wieder spannender machen und neue Bedürfnisse befriedigen oder Bedürfnisse aufdecken, die bisher nicht befriedigt wurden.
Eine kleine Veränderung ist es, mehr Sinnlichkeit in die Sexualität einzubringen. Das ist durchaus im wörtlichen Sinne zu verstehen: Duftöle, Augenbinden, Federn oder sonstige Materialien, um die Haut zu stimulieren, unterschiedliche Arten und Tempi von Musik oder was es sonst alles gibt, können kleine Veränderungen mit großer Wirkung sein.
Wer also seine Bedürfnisse nicht kennt, sollte sich unbedingt auf den Weg machen, diese Schätze durch ausprobieren, lesen und informieren zu bergen. Wer sie kennt, tut gut daran, zu ihnen zu stehen und sie zu äußern. Außerdem lohnt es sich, immer wieder kleine Veränderungen vorzunehmen.
Denn Sex, den wir mit voller Lust haben, der uns zum Glühen bringt und uns glücklich macht, ist tausendmal besser als Sex, der durch Eintönigkeit farblos und mechanisch wird.

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